Dieser Blogpost wurde ursprünglich am 28. Juli 2014 von Wolfgang Dudda auf seinem Blog veröffentlicht.

„Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ So steht es im Artikel 21 unseres Grundgesetzes. Umgekehrt wird jedoch auch ein Schuh daraus: Die Bevölkerung wirkt bei der politischen Willensbildung der Parteien mit. Genau hier liegt der Fokus der Piraten. Weil das so ist, kommt es für unseren Erfolg entscheidend darauf an, dass wir Ideen haben, daraus Inhalte machen und diese dann in geeigneter Weise präsentieren. Das ist bei uns seit etwa 1½ Jahren deutlich zu kurz gekommen.

Als Reaktion auf die Vorstandswahlen beim außerordentlichen Bundesparteitag in Halle gründete sich dort die Progressive Plattform als Angebot an diejenigen, denen Netzpolitik und Bürgerrechte politisch angesichts des gesamtgesellschaftlichen Auftrages für Parteien nicht ausreichen. Ich gehörte dazu und sagte damals im Foyer, dass wir als Demokraten das Wahlergebnis respektieren – gerade weil wir durch unsere mangelhafte Vernetzung und Inhaltsleere dazu beigetragen haben. Genau das sollte die Progressive Plattform ändern. Wie viele andere so ging auch ich dabei davon aus, dass es sich um einen innerparteilichen Prozess zur Stärkung der Kräfte handeln sollte, die mit den „Sozialliberalen“ und „Kernis“ um die künftige Ausrichtung der Piratenpartei politisch streiten. Die Plattform hat sich jedoch seitdem für einen anderen Weg entschieden mit Prozessen, die ich ablehne. Die inhaltliche Ausrichtung der Plattform finde ich nach wie vor gut.

Um innerparteilich zu arbeiten und inhaltliche Alternativen zu entwickeln, möchte ich zusammen mit anderen bundesweit zusammen arbeiten – hierarchiefrei und transparent. Am besten eignet sich dafür das Crewkonzept, das sicherlich auch im Internet als Ersatz für die Kneipe um die Ecke funktionieren kann. Diese Crew möchte ich mit denen von Euch aufbauen, die den innerparteilichen politischen Prozess gestalten wollen. Für diese Crew schlage ich als Namen „Eberhard-Zastrau-Crew“ vor in Erinnerung an den am 22. Mai 2012 viel zu früh verstorbenen Piraten [[Eberhard Zastrau]], der so stark wie kein anderer Pirat inhaltlich arbeitete und stritt. Georg von Boroviczeny charakterisierte Eberhard Zastrau in seiner Gedenkrede auf dem Bochumer Parteitag im November 2012 als „.. widersprüchlich, stachelig, gut, immer da, aktiv, zupackend…“. Ich erinnere mich an heftige Diskussionen mit ihm, die kaum härter in Sache geführt werden konnten, und an einen dann wiederum genau so kauzigen wie warmherzigen Menschen – eben ein starker Individualist. Er hat, so der Landesverband Berlin in seinem Nachruf, am „programmatischen Grundgerüst des Landesverbandes und auch des Bundesverbandes mitgearbeitet“.

Wie kannst Du Mitglied dieser Crew werden?

Wenn Du unseren Kodex, den wir gerne später gemeinsam ändern und weiterentwickeln, akzeptierst, und durch ein paar Mouseclicks Deinen Aufnahmewunsch bestätigst, bist Du dabei. Wer später diesen Kodex nachweislich und nachhaltig verletzt, muss die Crew wieder verlassen. Darüber wird dann allerdings die Crew demokratisch entscheiden. Dieser Kodex wird in wenigen Tagen als Vorschlag erarbeitet und veröffentlicht werden.

Welche Ansprüche formuliert der Kodex?

Kurz gefasst und daher noch nicht endgültig: Die von der Crew angestrebten programmatischen Schwerpunkte von einer verantwortungsvollen Sozialpolitik bis hin zum friedlichen, toleranten Miteinander der Menschen verlangen um ihrer eigenen Glaubwürdigkeit willen einen respektvollen Umgang untereinander und mit denen, die uns kritisch gegenüber stehen. Verbale Gewalt wird deshalb in der internen wie in der externen Kommunikation abgelehnt. Mitglieder dieser Crew lassen sich nicht auf Shitstorms und Flamewars ein und tragen damit den schlimmen Erfahrungen der letzten Zeit Rechnung.

Wie wird diese Crew praktisch arbeiten?

Nach der Gründungsphase, in der wir mit einem kleinen Team vom Webauftritt bis hin zum LQFB unsere Präsenz gestalten wollen, werden wir uns der üblichen Parteimedien bedienen. Dort werden wir den Anspruch an Transparenz so bedienen, dass wir „read only by default“ sind. Mit anderen Worten: Wir schreiben, alle können lesen.

Da gerade in der Gründungsphase noch RL-Treffen unvermeidlich sind, die dann wiederum für Geld- und Zeiteliten leichter erreichbar sind als für andere, wollen wir diese Treffen so gestalten, dass sie möglichst zentral stattfinden und durch Crowdfunding unterstützt werden.

Die Grundlagen für all das soll ein „Nukleus“ von etwa acht bis zehn Piraten schaffen. Diese Grundlagen haben sich dann dem Diskurs der Crew zu stellen.

Nachdem also die Strukturen geschaffen worden sind und die Crew dadurch zunächst einmal arbeitsfähig wird, müssen sich alle Strukturen regelmäßig auf ihre Nützlichkeit und die dabei erfüllten Ansprüche an wirklich piratige Politik überprüfen und ggf. verändern lassen.

Die gestalteten Inhalte sollen dann natürlich auf Parteitagen zur dann hoffentlich positiven Abstimmung gebracht werden.

Wann wird die Crew loslegen?

In wenigen Wochen sollen vom Kodex bis hin zum LQFB alle Dinge am Start sein, die wir brauchen. Mitte September wird es das erste RL-Treffen geben. Bis dahin werden wir mailen, mumblen und auch miteinander telefonieren. Bei all dem steht im Vordergrund, dass Sorgfalt und überlegtes Handeln wichtiger sind als hastiges Gestalten. Die Dynamik wird allerdings auch durch Euch bestimmt. Deshalb ist es sehr schwer, verlässlich zu prognostizieren, wann die Crew wirklich arbeitsfähig sein wird. Spätestens Ende September sollten wir das tun können, was uns sicherlich am meisten gefallen wird: Das inhaltliche Arbeiten!